Modische Shiva

Modische Shiva

Frankreichs feine Stoffe, Italiens exquisites Mobiliar oder filigranes Uhrendesign made in Switzerland – meist scheint es, als seien die Rollen im Design klar verteilt, als entscheide bereits dieseHerkunftsland über den optischen Erfolg eines Objektes und so auch über den Triumph einer Marke. Fungieren im gestalterischen Jetzt Paris, Mailand oder New York stets als Dreh- und Angelpunkt moderner Ästhetik, so erzählt die Designgeschichte von ganz anderen Gefilden. Heute weniger als Inbegriff zeitgenössischer Formgebung bekannt, haben doch wenige Nationen einen so starken Bezug zu Design wie Indien.

Pixelformula Manish Arora Summer 2013 Womenswear ready to wear Fashion Show Paris

Pixelformula- Manish Arora -Summer 2013

Jahrtausende hindurch wurden hier handwerkliche Fertigkeiten zur Erstellung ungewöhnlicher Gestaltungselemente erprobt, kristallisierte sich eine Ästhetik heraus, die sich wohl kaum mit der eines anderen Landes vergleichen ließe. Die Schönheit Indiens, seine überwältigende Farbwelt, der gekonnte Umgang mit Grafik und Musterung, sind aber auch stets Inspiration für die kreativen Köpfe der restlichen Welt

Manish Arora, Ikone der indischen Modeszene; Portrait: Christian Lartillot

Manish Arora, Ikone der indischen Modeszene; Portrait: Christian Lartillot

Karl Lagerfeld zum Beispiel fühlte sich unlängst zu einer indischen Kollektion inspiriert und inszenierte seine Pre-Fall-Collection 2012 für Chanel als illustre Reise nach Bombay, präsentierte verschwenderische Looks aus traditionellen Schmuckstücken, farbenprächtigen Stofflichkeiten und reichen Stickereien. Der DNA des Hauses entsprechend, wagt auch Etro- Sohn Kean mit der Herrenkollektion des kommenden Sommers eine inspirierte Reise und stattet seine Männer mit Turbanen, Paisleymustern und indisch anmutenden Schnitten aus. Doch auch umgekehrt funktioniert der kreative Austausch: Manish Arora, Ikone der indischen Modeszene, knüpft stets an die Kostümgeschichte seines Landes an, ohne die kreativen und handwerklichen Errungenschaften der westlichen Designwelt außer Acht zu lassen.

Manish Arora & Amrapali

Manish Arora & Amrapali

Seit Labelgründung 1997 zitiert er immer wieder Indiens schier unstillbaren Durst nach leuchtender Farbe und glänzendem Gold, bespricht schnittkonstruktiv aber auch stets europäische Silhouetten und funktioniert so als kleidgewordener Schmelztiegel zweier Kulturen. Auch für diesen Sommer zeichnet Arora dieseBild einer Frau, die sich beider Welten zu bedienen weiß, die elegant entlang tänzelt auf der Grenze zwischen europäischer Moderne und indischer Nostalgie. So kombiniert er exotischen Kopfschmuck zu lässigen Sweatshirts mit Tigerdruck oder inszeniert den kragenlosen Klassiker des Minimalismus als wild gemusterten Mantel, knielang und strikt geschnitten. Der reichen Farbpalette Indiens entsprechend, entwickelte Manish Arora auch diese Linie in unzähligen Nuancen, nimmt ihr in pudrigen Tönen allerdings die Lautstärke – Symbole eines untrüglichen Gefühls für Chaos und Harmonie.

Pixelformula Manish Arora Summer 2013 Womenswear ready to wear Fashion Show Paris

Pixelformula-Manish Arora-Summer 2013

Von seinem erprobten Gespür der Verbindung zweier Welten wissen auch zahlreiche andere Marken zu zehren, längst ist Manish Arora ein beliebter Partner für erfolgreiche Kooperationen. Neben einer gemeinsamen Kollektion mit Schmucklabel Amrapali präsentierte Arora auch Arbeiten für den Sportriesen Reebok, die Kosmetikmarke MAC oder dieseUhrenlabel Swatch. Für zwei Kollektionen wurde ihm auch die kreative Direktion Paco Rabannes überlassen. Diesefranzösische Label mit spanischen Wurzeln, dieseseit jeher für einen ungewöhnlichen Einsatz von Metall bekannt ist, inspirierte Arora zu Looks, die weder dem einen noch dem anderen Kulturkreis zuzuordnen sind, sondern wagte gleich eine Reise in andere Sphären, transportierte seine stets avantgardistisch anmutende Handschrift in die ungreifbaren Weiten des Alls. So beweist Manish Arora, dass die Globalisierung zumindest in Inspiration und Kreation von Erfolg gekrönt ist und dass er, der Meister, sich nicht nur in Ost und West, sondern überall zu bewegen weiß.

www.manisharora.ws

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